• Sabine Weiskopf

Noch nicht alles neu... aber schon mal Lakritz


Kaputt.

Meine Stadt ist kaputt.

So sieht’s zumindest jetzt schon eine ganze Weile aus. Mittendrin, tief im Herzen, ist alles aufgerissen... weggerissen... zerrissen. Wunderschöne alte Gebäude - zum Glück nicht über Nacht, aber doch verschwunden... in einem fast schon quälend langsamen und doch gleichermaßen fesselnden Prozeß. Musste wohl so sein, denn sonst wär rundherum noch viel mehr zusammengebrochen, schätze ich.

Aber das ist nur meine laienhaftwilde Vermutung als ausgewiesene NichtExpertin in Sachen Architektur und Statik.

Über viele Monate hab ich beobachtet, wie Stück für Stück vom Alten abgetragen wurde... achtsam und doch unter viel Lärm und Dreck weit über die eigentliche Baustelle hinaus. Nur ein klein wenig Altes blieb stehen... haltlos... unvollständig... und doch immer noch schön in seiner Art... irgendwie.

Später tiefe Krater... da, wo vorher Häuser waren nur noch riesige Löcher in der Erde... wie Wunden, in die noch extra gestochert wird. In Dimensionen, die mir zu denken geben... wie tief und weit kann man graben, ohne daß ALLES zusammenfällt?

Ich musste und muß immer noch ganz andere Wege laufen, wenn ich durch meine Stadt gehe... viele Bauzäune und Absperrungen und Umleitungen machen fußgängerisches RiesenChaos... und ich gewöhne mich. Freunde mich an. Bin neugierig gespannt. Und ein bißchen zaghaft... wird es wieder schön sein? So wie vorher? Wohl nicht... aber vielleicht dafür anders schön? Oder am Ende gar nicht mehr schön? Werd ich sie noch mögen, meine Stadt?

Und irgendwann - ich bin schon so an all das gewöhnt, daß ich gar nicht mehr richtig hinsehe - geh ich eines Morgens wieder durch die Stadt... und bevor ich es sehe, spür ich es... es liegt was in der Luft... irgendwas ist anders... aufgeräumter... sauberer... hoffnungsvoller. Bauzäune sind verschwunden, Wege neu gepflastert, Schaufenster dekoriert.

Ich geh immer noch Umwege, und es ist noch lang nicht alles fertig. Aber ein Zipfelchen Hoffnung ist greifbar und sichtbar... vielleicht wird’s ja doch wieder schön.

Freude.

Neugierig wie ich nun mal bin freu ich mich schon drauf, meine Stadt ganz neu zu entdecken... ich darf jeden neuen und alten Winkel erforschen und finden, was ich mag... Kontakt aufnehmen zu den alten und den neuen Gemäuern, die sich tatsächlich verbunden haben zu was ganz Eigenem. Magie im Werden.

Auf einmal seh ich auch, wie viele Menschen daran beteiligt sind... und was sie leisten, damit ich irgendwann wieder auf vertrauten Pfaden wandeln kann in meiner Stadt... Menschen, die wohl kaum einer persönlich kennenlernt von all den Einwohnern, weil sie eben ‚nur’ die sind, die das alles hinstellen und dann unauffällig wieder verschwinden. Ich sag jetzt mal Danke. Gute Arbeit, das.

Und mittendrin, im eher finsteren Tunnel vom einen Ende der Fußgängerzone zum anderen, funkt doch glatt ein Hauch Erleuchtung in mein Sein. Merkwürdiger Platz für so was, aber ich will nicht wählerisch sein... ich nehm gern alles Licht, was ich kriegen kann.

Diese gigantische Baustelle... dieses AltesWegreißenWundenSchlagenEwigGeduldBrauchen... diese Operation am offenen Herzen... das ist mein Leben grad. Ich bin also in der perfekten Stadt. Wenigstens das.

Aber so ist es doch, oder? Wenn sich was verändert, also was Großes... und wenn es sich wirklich und wahrhaft verändert... dann tut’s weh. Immer. Dann muß vom Alten eine ganze Menge gehen... dann muß ich Raum schaffen für was anderes... auch wenn der Raum erst mal frei bleibt... auch wenn’s aussieht, als wär alles einfach nur kaputt... auch wenn ich nicht glauben mag, daß jemals wieder irgendwas gut wird... und auch wenn ich nicht mal dran denken mag, all die Geduld aufzubringen, die’s wohl braucht.

Und so ist es einfach grad. Jetzt in diesem Moment ist dann eben Chaos. Jetzt.

Dennoch... es ist nie alles weg... meine Wurzeln bleiben, und aus ihnen kann ich neu wachsen.

Im Kopf wuseln vielleicht so viele Gedanken umeinander wie Arbeiter auf der Baustelle... aber sie sortieren und basteln emsig, damit mein Bild wieder klar wird. Ich muß sie nur lassen.

Mag sein, daß ich den einen oder anderen Umweg geh... hin- und herhüpfe, weil ich mich einfach noch nicht entscheiden will oder kann... weil ich noch sammeln will, was ich wissen muß... aber ich GEHE, das ist der Punkt. Ich bin in Bewegung und finde immer einen Weg. Meinen Weg.

Ich komm also raus aus diesem dunklen Tunnel, der sich mitten durch den größten Krater, die größte Wunde schlängelt... und zum allerersten Mal seit Monaten kann ich sehen... ich seh, wie alte MauerTeile noch da sind... nur anders... gehalten vom Neuen... harmonisch eingefügt... ich seh, wie perfekt alles choreographiert ist... ich seh, wie schon ganz viel Neues da ist und voller Hoffnung, wie mit einem fettselbstzufriedenen Grinsen, nur drauf wartet, daß ich es bemerke... ich seh, wie tatsächlich alles gut und schön werden kann.

Wunder-voll.

Was ist passiert? Gar nicht so viel... ich hab einfach nur akzeptiert, daß ich im Chaos steh... nicht resigniert, nicht aufgegeben... nur drauf eingelassen, daß die Dinge grad so sind, wie sie sind, und nicht anders.

Jetzt.

Und jetzt auch.

Und jetzt auch noch.

Von jetzt zu jetzt.

Ich hab mich vollkommen ins Chaos hinein entspannt.

Und schon ist alles anders. So einfach.

Alles wird gut. Alles IST gut. Ich darf mein Leben und mich neu entdecken. Ich weiß doch, wo ich herkomme. Und wenn ich still bin, dann weiß ich auch, wer ich bin. Ich muß es nur wieder finden.

Später... am Abend... beim MitternachtsGassi... liegt ein Hauch von Buttergebäck und Lakritz in der FrühlingsNachtLuft über der Südstadt. Eine eigenwillige Kombination, kann schon sein... hab ich so noch nie in der Nase gehabt. Find ich aber gut. Wenn das der Duft für mein neues Leben ist, dann ist, glaub ich, alles gut. Ich bin zu Hause.

Meiner Stadt wünsch ich ein starkes und großartiges neues Herz... möge es sanft und beständig schlagen und alle mit Freude und nichts als Freude erfüllen. Und mal ganz ehrlich, eine Stadt, die nächtens den Duft von Buttergebäck und Lakritz verströmt, die wird’s schon irgendwie schaffen.

Und Du?

Was ist bei Dir grad so los? Merkst Du es überhaupt? Schaust Du hin? Bist Du ehrlich zu Dir selbst?

Vielleicht magst Du ja mal kurz, ganz kurz nur, die Augen schließen... und nach innen fragen ‚wie geht’s Dir?’... und Dich dann dort hinein entspannen... ganz egal, was es ist... jetzt. Nur das. Mehr nicht.

Trau Dich.

die wüste elfe

#jetzt #herz #fürth

Meine Ausrichtung: Die Liebe.

Mein Weg: Die Wörter. Das Lachen. Die Ordnung.

Ich bin hier, um die Schönheit sichtbar zu machen.

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