• Sabine Weiskopf

Die Maus in der MaisWaffel... und ein Segen


Wenn eine den Ort verlässt, den sie nun bald zehn Jahre gehütet hat... diesen Ort auf immer verlässt... dann melden sich Erinnerungen... wie gute alte Freunde schauen sie noch mal vorbei... fragen wehmütigverschmitzt ‚weißt Du noch...’... lassen die Zeit still stehen und malen ein Bild... so reich... so schön... so besonders.

Danke sagen will ich... Abschied nehmen... tatsächlich diesem Platz hier danken, dieser Wohnung, diesem Raum... daß er mich aufgenommen hat und ich hier immer sicher war... geborgen... zu Hause eben.

Selten hat sich was stimmiger angefühlt.

Selten... ist mir was schwerer gefallen, als jetzt zu gehen.

Ich geh nicht einfach so... aus einer Laune raus oder weil’s mir jetzt woanders besser behagt. Meine Arbeit hier... ist getan. Das mag ich diesen Ort wissen lassen... und dann mit Achtung und in Demut die Tür zum letzten Mal schließen.

Also... lass ich mich fragen... ‚An was erinnerst Du Dich?’

Ich erinner mich...

... an Singen mit Kindern und Märchen mit Großen... und umgekehrt... den Duft von weißem Salbei und Mädesüß, die komplizierte Lampe aufhängen und die Holzwand abschleifen und neu anpinseln... und immer ein Hauch von Magie in diesem einen Raum.

... an den Segen an der Wohnungstür... jeden Tag vor Augen... hingepinselt für alle, die hier durch die Tür gehen... und doch selber so oft nicht hingeschaut.

... an meine Tochter und ihre NachbarsFreundin, wie sie morgens mit ihren Schultaschen an der Tür stehen... 5. Klasse... jetzt sind beide aus dem Haus und studieren.

... an wie immer alle in der Küche rumstehen... und wie sich das JungVolk immer bei uns versammelt hat zum Vorglühen.

... an eine Schlange aus vier Orgelpfeifen am Herd zum EssenFassen... plus ein hoffnungsvoller Hund (siehe Obelix und der Zaubertrank)... vielleicht merkt’s ja dieses Mal keiner.

... an immer volle Küchenschränke... und wie wir oft nicht wussten, wie wir unsere Rechnungen zahlen sollen, aber immer mehr als reichlich zu Essen da war... auch für sämtliche Freunde im Schlepptau der Kinder.

... an die perfekt orchestrierte Choreographie jeden Morgen, wenn sechs Leute durchs Bad müssen und sich minutengenau wie an Schnüren gezogen zwischen den Zimmern hin- und herbewegen.

... an FußballGeballer an die Zimmerwand... und wie ein angehender Spion, dem ich immer noch eine große Zukunft voraussage, sich mit der Wasserpistole unterm Küchenschrank durchrollt mit den legendären Worten ‚Mein Name ist Mops. Roll Mops.’

... an im Büro sitzen und besprechen, warum es nicht läuft wie’s laufen soll und was laufen muß, damit’s wieder läuft.

... an bei der Tochter auf dem Bett sitzen... mitten in der Nacht... trösten, reden, da sein... das Fenster gekippt, damit die vertrauten Gesänge der Güterzüge zu hören sind... frieren und doch bleiben, bis sie wieder schlafen kann.

... an das anklagende ‚Mamaaa!!!’ aus dem töchterlichen Gemach... wie wir dann wieder auf dem Bett sitzen... sie alle Welt verklagt, weil alle doof sind... und wie einer nach dem anderen dazukommt einschließlich Hund und wir an einem Nachmittag die Welt retten.

... an wie sie auszieht, die Tochter... und wie wir da stehen und weinen... sogar die Kleine, die sonst nie weint... nie... und wie wir doch eh nur noch zu dritt sind.

... an die Maus im ÜEi, an die keiner so recht glauben wollte und die halt doch da war.

... an HighHeelGeklapper und KleiderAnproben vor dem Spiegel und IchHabNixAnzuziehen.

... an das Geräusch, das die lila Tür immer macht, wenn man sie öffnet.

... an zwei Schildkröten, die hier auch mal gewohnt haben.

... an ein Kinderzimmer, das wir gefühlt 93 Mal neu gestrichen haben, bis die Farbe genehm war.

... an kindliches WutGebrüll und entsprechendes TürenKnallen (nur dafür haben wir die Zimmer doch gebaut... damit’s Türen gibt zum Zuknallen)... und an die Tür aushängen und wie das halt auch nichts bringt.

... an den Hund auf dem Bett... immer der Hund... und das Kind eingewickelt und zugedeckt bis über die niedliche Nasenspitze.

... an Haken in den Schrank schrauben... und wie die Jacke dann auch gleich ein Loch hat.

... an Musik... Klavier, Geige, Querflöte, Gitarre... so schön.

... an krumme Weihnachtsbäume, Grillen auf dem Balkon zu Heilig Abend und die magischen Momente, wo tatsächlich mal alle zusammensitzen.

... an Kochduelle Groß gegen Klein mit BabyBrei und Würstchen.

... an DraußenSchlafenWollen und es nie tun... Frühstück auf dem Balkon und alle paar Minuten der Sonne nachrücken... und die FensterZumHofStimmung, so genial.

... an Freunde um den Tisch, unzählige Kerzen und alle Jahre wieder die Aktion mit dem ElchLeuchter.

... an FilmKuschelDeckenSonntagNachmittage auf dem Sofa.

... an Shakira von unten und WeltmeisterschaftsGebrüll von oben.

... an gebrochene Finger, FieberWahn, Kotzen in die GlossyBox, frisch operierte Weisheitszähne, HundepfützenSlalom in der Nacht und wie ich im Dunklen mal dachte da hat der Hund eine Socke geklaut und liegen lassen und es war aber gar keine Socke.

... an die Maus in der MaisWaffelTüte.

... an Tee und Buch am Wochenende morgens im Bett.

... an Lachen und Weinen... Schweigen und Wüten... Verzweifeln und Hoffen.

... an schöne Nächte und traurige Nächte.

... an die schlechten Zeiten... schon... aber viel mehr an die guten Zeiten.

Ich erinner mich... an uns.

Ich erinner mich... und ich spür, wie dieser Ort uns alle gehalten hat... getragen... behütet.

Ganz egal, was war... hier war für mich immer alles gut.

Einfach nur Danke... kommt mir völlig unzureichend vor.

Viel zu klein und viel zu wenig für einen Ort, der so für mich da war.

Nicht genug für einen Ort, der mich so eingeladen hat, mit ihm zu sein.

Es war mir eine Ehre, hier leben zu dürfen.

So will ich diesen Platz ehren, bevor ich geh... ihn in meinem Herzen tragen... und mich erinnern.

Ich verneige mich.

Und ich sag Danke... aus meinem Herzen Danke.

Den Platz ehren.

Trau Dich.

die wüste elfe.

Oh und der Segen an der Tür:

‚May your day be filled with blessings

Like the sun that lights the sky,

And may you always have the courage

To spread your wings and fly.’

- aus Irland... eh klar

#abschied #danke

Meine Ausrichtung: Die Liebe.

Mein Weg: Die Wörter. Das Lachen. Die Ordnung.

Ich bin hier, um die Schönheit sichtbar zu machen.

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Eschenbach 404 . 91224 Pommelsbrunn

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