• Sabine Weiskopf

Von der Brücke und vom Frieden.


Nie zuvor hab ich zugleich und so tief dies empfunden.

Ein ‚Es tut mir so Leid’.

Ein großes Danke.

Nebeneinander.

Ineinander.

Pulsierend wie weiche Wellen im ganzen Körper.

Ein Segen.

Weißt Du, irgendwann vor langer Zeit hab ich wohl mal gelernt, daß ich nicht in Ordnung bin so wie ich bin.

Daß ich irgendwie falsch bin.

Anders sein müsste.

Warum auch immer.

Ist jetzt gar nicht mehr wichtig.

Aber so bin ich seitdem durchs Leben gegangen.

Mehr oder weniger.

Stets auf der Hut.

Nie ganz bei mir.

Immer leicht neben der Spur.

Meiner Spur.

Stell Dir vor, früher hab ich mich nicht mal allein auf meinen Balkon gesetzt

vor lauter hoffentlich sieht mich keiner weil ich bin ja irgendwie falsch.

Hab kaum gewagt, Fragen zu stellen.

Zu sagen was ich weiß.

Meine Schulzeugnisse sind der beste Beweis.

Bei den Noten alles gut.

Unterrichtsbeteiligung nicht vorhanden.

Hätt ja wer über mich lachen können.

Und um irgendwas bitten, das lern ich grad erst.

Denn ‚darf ich das?’.

Das ist eine ganze Weile ziemlich gut gegangen.

Unauffällig.

Schüchtern hieß es früher immer.

Auf jeden Fall sehr zurückhaltend.

Und dann kommt einer daher.

Mitten ins Herz.

Einer, der mir dauerhaft und durchdringend vermittelt ich wär irgendwie falsch.

Heftig.

Hartnäckig.

Haarsträubend.

Und was es sonst noch alles gibt mit ‚H’.

So nicht und dies nicht und das anders.

Jetzt muß ich erst das und dann.

Und wenn ich’s hab gleich noch mal von vorn.

Weil’s falsch war oder nicht genug oder nicht exakt wie’s sein soll.

Was ich weiß (und halt jetzt doch mal wage zu sagen) stimmt einfach nicht.

Alles Blödsinn.

Alles falsch.

So lang ich es mir halt gefallen lass.

Und irgendwann begreif ich.

Spür ich.

Weiß ich.

Es geht gar nicht um mich.

Also schon.

Aber halt nicht so.

Hier geht’s um eine kleine Sabine.

Ein Kind.

Ein kleines Kind.

Ein kleines Kind, das ordentlich verwirrt ist.

Sie ist doch völlig in Ordnung geboren.

Und jetzt soll sie auf einmal falsch sein?

Das versteht sie natürlich nicht.

Sie sieht nur die Wirkung.

Und die bringt ihre schöne Welt hübsch durcheinander.

Das macht ihr Angst.

Richtig Angst.

Also wird sie still.

Ganz still.

Leise.

Und sie zieht sich zurück.

Sie vergisst.

Sie vergisst wer sie ist.

Wer sie sein könnte.

Das ist so unfassbar traurig, daß sie auch vergisst zu weinen.

Und weil keiner bemerkt was geschieht gibt’s auch niemanden, der bei ihr ist.

Mit ihr weint.

Sie tröstet.

Es ist ja nicht zu sehen.

Sehen kann man nur ein Kind.

Brav.

Still.

Schüchtern.

Neulich hab ich sie zum ersten Mal seit langem wieder gesehen.

Die kleine Sabine.

Sehr klar.

Sehr klein.

Sehr ängstlich.

Jetzt bin ich ja schon groß.

Also hab ich ihr meine Hand gereicht.

Und sie hat ihre kleine Hand in meine große Hand gelegt.

Wir zwei zusammen.

Das geht.

Mit mir an der Hand hat sie keine Angst mehr.

Mit ihr an der Hand hab ich keine Angst.

Allein würd jede von uns ziemlich schlottern.

Aber so kenn ich meinen Auftrag.

Es soll ihr gut gehen.

Unbeschwert und frei soll sie durch ihr Leben gehen können.

Sich einfach freuen, daß sie da ist.

Spielen gehen.

Sicher in dem Wissen, daß ich da bin und auf sie achte.

Erwachsen werden soll ich endlich, hat mal jemand zu mir gesagt.

Schätze das ist grad passiert.

Mal wieder ein Stück mehr.

Jetzt kann ich auch weinen.

Wir können weinen.

Zusammen.

Hat wohl alles ziemlich wehgetan damals.

Vielleicht hat es deshalb ein bißchen länger gebraucht, um es zu sehen.

Viele kleine Schritte.

Gut so.

Weh tut es jetzt nicht mehr.

Tränen gibt’s trotzdem.

Wie einen Fluß, der alles verbindet.

Beide Ufer berührt.

Sich mit der Zeit unaufhaltsam im ewigen Meer wandelt.

Und.

Die kleine Sabine war einmal.

Ich hab jetzt zwei Töchter.

Beide auch schon groß.

Könnt für die zwei auch wichtig sein.

Ich hatte mal zum Ende eines Workshops ein wunderschönes Bild in mir.

Ist schon ein paar Jahre her.

Ich erinner mich immer wieder.

Und jetzt grad bekommt es noch mal einen neuen Sinn.

So viel tiefer.

Auf einer traumschönen Brücke bin ich.

Geh langsam von einem Ufer zum anderen.

Silbern mondbeschienen.

Bäume und Sterne überall.

Jetzt seh ich es so.

Ich bin die Sterne.

Ich bin die Bäume.

Ich bin der Mond.

Ich bin der SilberSchein.

Ich bin beide Ufer.

Ich

bin

die

Brücke.

So schön.

Danke John und Alice.

Daß wir uns recht verstehen.

Es gibt hier keine Schuldigen.

Keine Schuld weit und breit.

Jeder hat getan was möglich war.

Damals und jetzt und immer.

Ich bin verantwortlich für mein Tun.

Was ein anderer empfindet deswegen (und wie sehr), dafür kann ich nichts.

Und umgekehrt.

Damit kann ich achtsam und respektvoll umgehen.

Von Herzen gern.

Achtsam, ja.

Aber nicht stur und blind und zerstörerisch gehorsam.

Jeder ist wie er ist.

Und ich darf eben auch so sein wie ich bin.

Alles ist gut.

Zusammen, die Kleine und die Große, wagen wir es und sagen:

Doch, ich bin richtig.

Was ich spür ist richtig.

Ich darf so sein.

Und es ist genug.

Ein bißchen wacklig und zitternd noch.

Dennoch aufrecht.

Mit tränenklarem Blick.

Wir wagen es.

Jetzt.

Es tut mir so Leid.

Danke.

Nie zuvor hab ich beides zugleich und so tief empfunden.

Ein Segen.

Und damit ist Frieden.

So schön.

Sabine

#frieden

Meine Ausrichtung: Die Liebe.

Mein Weg: Die Wörter. Das Lachen. Die Ordnung.

Ich bin hier, um die Schönheit sichtbar zu machen.

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