• Sabine Weiskopf

Von einem Bett mit acht Füßen und von einer SchlittenFahrt.


Da stehen wir also bei IKEA.

Ein Sofa und ein Bett darf es sein, bitte.

Die erste ganz eigene Wohnung.

Du unterschreibst ganz selbstverständlich den Auftrag.

Ich denk mir ganz still und leicht wehmütig wie endgültig groß Du doch jetzt bist.

Später bei der Waschmaschine kommt’s raus.

Deiner großen Schwester geht’s ähnlich.

Sie macht nur andere Gedanken draus.

Mehr so in der Art: Selber unterschreiben, darf sie das denn schon???

Wir staunen.

Auch wie flott das jetzt alles geht.

Wenn’s mal läuft.

Ob dann acht Füße für ein neues Bett einfach zu viele Füße sind weil Du ja lieber die anderen willst und was Du mit den übrigen Füßen machst und was ist wenn vielleicht mal einer kaputt geht und dann nicht mehr alle zusammen passen und ob es dann Sinn macht, einfach noch mal vier Füße zu kaufen, was dann insgesamt schon zwölf Füße minus der kaputte wären, das hält Dich jetzt auch nicht mehr auf.

So viel zu tun und zu erledigen und abzuhaken.

Erwachsen werden in der Welt.

Mit RückenDeckung, weißt Du eh.

Aber machen musst Du selber.

Selber mit der Maklerin reden.

Selber den Vermieter nerven wegen der Steckdosen.

Selber bei der Sparkasse anrufen.

Und dann doch noch rausfinden, warum man nur für 1000 Euro am Tag online überweisen kann, aber für 50.000 Euro shoppen gehen.

Wenn man kann.

Und Du machst.

Ich bin so stolz auf Dich.

Du hast Dich schon als Baby nicht umgedreht als Du das erste Mal richtig losgekrabbelt bist.

Damals.

Im FreizeitPark im WesternSaloon.

Drauf los und kein Blick zurück.

Du wusstest einfach, ich bin da.

Das ist heut noch so.

Du machst.

Und Du bist getragen.

Ganz selbstverständlich.

Ich hoff Du weißt, wie besonders das ist.

Nicht, daß Du getragen bist.

Das sind wir alle.

Daß Du es spürst und weißt.

Vielleicht nicht bewusst, kann schon sein.

Aber Du weißt es.

Das weiß ich.

Wenn ich so drüber nachdenk, dann bist Du so schon auf die Welt gekommen.

Leicht und klar und ohne Zögern.

Nur nicht aufhalten mit Firlefanz.

‚Jetzt mach halt’ ist dann auch DER Satz, der uns eingefallen ist.

Der eine typische.

Irgendwelche coolen Zitate Fehlanzeige.

Du machst mehr so Laute.

Oa ey.

Zum Beispiel.

Oder dieser supergenervte Schnaufer mit hörbarem AugenRollen.

Oder das leicht überhöhte NeinNeinNein.

Mehr so NeNeNe.

Oder noch besser, wenn’s bei uns ein e mit Umlaut gäb, das wär perfekt.

NëNëNë.

Irgendwie so.

Ganz neu und trendy grad noch mimimi.

Und eben: Jetzt mach halt.

Soll ich?

Ich kann nicht anders.

Die SchlittenGeschichte.

Stell Dir vor, Fürth 2001.

Ein kleines zweijähriges Mädchen erobert sich seine neue Umgebung, frisch umgezogen auf ein ehemaliges US Army Gelände.

Es hat viel geschneit.

Sehr viel.

Deine große Schwester und Du in SchneeMontur.

Draußen mit dem Schlitten.

Erst sitzt Du auf dem Schlitten und sie zieht Dich.

Dann sitzt die Schwester auf dem Schlitten.

Du vorn mit der Schnur in der rosa HandschuhHand.

Und Du wirfst ihr über die Schulter ein lässiges und milde ungeduldiges ‚Jetzt mach halt!’ zu.

Damit ist irgendwie alles gesagt.

War da eigentlich auch Vollmond?

Also VollkornMond?

Kann mich grad nicht erinnern.

Jedenfalls jetzt machst Du halt.

Ich hab Dich ja schon vor über zwei Jahren gehen lassen.

Eher sogar drei.

Dennoch.

Es rührt halt doch noch mal neu an mein Herz.

Du baust Dir Dein Nest in luftiger Höhe, und jede Kiste, die Du nach oben trägst, entfernt Dich ein Stück mehr von mir.

Zugleich kommen wir uns näher.

Nur eben anders.

Und nicht nur weil ich die mit den lässigen PutzTips bin.

Hehe.

Jedenfalls.

Das Patent für Nachthemd von hinten über den Kopf auf dem Klo (damit nix reinhängt) hat leider schon Deine große Schwester inne.

Du hältst das Patent für auf dem Sofa sitzen, ohne daß es einer sieht.

Bis die Fernbedienung runterfällt.

Dann kommt Bewegung in den DeckenHaufen.

Und meistens auch in den Hund.

Den kleinen Räuber.

Das ist jetzt alles vorbei.

Ab sofort müssen wir alle unsere Fernbedienungen und Handys selber runterwerfen.

Und selber genervt schnaufen.

Hab auch schon angefangen.

Läuft also.

Bleibt noch zu klären, wie oft man sich beim FliesenAufhübschen im Bad an der Dachschräge den Kopf stoßen muß bis es für folgende Generationen genetisch bleibende Folgen hat. Irgendwann in ferner Zukunft wird dann ein ehrgeiziges Grüppchen Archäologen Deine vermutlich eher kurz geratenen Nachkommen ausbuddeln und hoffentlich auf Deine Legende stoßen: Ah, das war doch die, die damals in der DienstbotenKammer unterm Dach unbedingt hübsche Fliesen wollte.

Oder so.

Und dann die Spinnen.

Wie soll das jetzt gehen, so allein.

Wenn keiner mehr das Glas und das Tier drunter wegräumt am nächsten Morgen.

Schätze Du wirst in diese Aufgabe reinwachsen.

Wie in alles andere auch.

Das mit der Taube hüllen wir wohl besser in gefälliges Schweigen.

Ach Fif.

Mein Baby.

Lass Dir einfach Dein Lachen nicht nehmen, ja?

Und auch nicht Dein SoBinIchHalt.

Du bist wie Du bist.

Du fühlst was Du fühlst.

Und das darf alles sein.

Irgendwas uralt Nordisches oder Keltisches bricht sich da grad Bahn.

War wohl Zeit.

Bleib dran.

Genau so lang wie es Dir Freude macht.

Vielleicht ist das voll Dein Ding.

Vielleicht kommt alles ganz anders.

Nicht wichtig.

Wichtig ist Dein Gefühl damit.

Trau Deinem Gefühl.

Nur Deinem.

Das wünsch ich Dir.

Daß Du das kannst und Dich traust.

Nicht mehr und nicht weniger.

Und jetzt.

Mach’s gut, bis bald, auf Wiedersehen.

Denn es ist Zeit zu gehen.

Doch hey, kein Grund zum TraurigSein,

denn ich weiß wir werden uns bald wiedersehen.

Der Bär im Großen Blauen Haus.

So ähnlich jedenfalls.

Hab Dich lieb bis zum Mond und wieder zurück.

Unendlich mal.

Aloha.

Mom

Oh, und.

Wie bei Deiner Schwester.

Das hier.

Aber mehr so für mich.

ABBA.

‚I watch her go with a surge of that well-known sadness

And I have to sit down for a while.

The feeling that I'm losing her forever

And without really entering her world

I'm glad whenever I can share her laughter,

That funny little girl...’

#abschied #liebe

Meine Ausrichtung: Die Liebe.

Mein Weg: Die Wörter. Das Lachen. Die Ordnung.

Ich bin hier, um die Schönheit sichtbar zu machen.

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