• Sabine Weiskopf

Von unter meinem Sofa und vom peinlichsten Moment.


Ich hab doch grad erst mein Internet vernünftig machen lassen.

Endlich.

Nach kaum vier Jahren Provisorium.

Ich dachte ja immer ich bleib hier nicht lang.

Klassische Übergangslösung.

Drei Monate, die plötzlich vier Jahre sind.

Und jetzt muß das mit dem Netz mal taugen.

Aus all den offensichtlichen Gründen.

Und außerdem wird‘s ja vielleicht noch internationaler.

Allzeit bereit.

Jetzt ist der Anschluß bei mir natürlich nicht so ganz ideal zugänglich.

Wenn Du schon mal hier warst weißt Du eh Bescheid.

Hinterm Sofa.

Ja, genau.


Ich hab also das RiesenTeil nach vorn gewuchtet.

Gratwanderung, weil wenn‘s zu weit vorn steht kommt keiner mehr rein zur Tür.

Der Techniker soll aber ja reinkommen, bitte.

Der war auch da, hat geschäftig gestöpselt und getestet und alles gut.

Router bitte selber anschließen.

Trotz ÖHM HILFE hab ich das auch noch souverän abgeliefert.

Mit dem Effekt, daß viele bunte Lichtlein geblinkt haben.

Nur leider nicht die richtigen.

Zwei Stunden mit ChatBot und einem (glaub ich) echten Menschen später:

Der Techniker muß noch mal.

Ich also das Sofa zwei Tage später noch mal nach vorne.

Der langen Rede und so weiter:

Diverse Fundstücke unterm gemütlichen Möbel.

Und das bei mir!

Oh yes.

So viel zum Thema hier ist immer alles super aufgeräumt und blitzsauber.

I am NOT a Stepford Wife, das steht mal fest.

Aber gut, um so was kümmert sich normalerweise eigentlich Sir Connor.


Jedenfalls das hier.

Ein WeihnachtsPlätzchen, das kann ich erklären.

Eine Erdnuß, da wird‘s schon schwieriger.

Ein Glassplitter, keine Erinnerung vorhanden.

Jetzt kommt‘s.

Ein paar läppische KrümelLeichen und ich sag so zu mir:

Ist ja wie bei Hempels unterm Sofa.

Wahrscheinlich hab ich das sogar laut gesagt.

Mach ich irgendwie immer öfter in letzter Zeit.

Mit mir reden als wär ich noch mal da.

Die Hempels.

Das war der peinlichste Moment mit dem Chef.

Vor naja, fast dreißig Jahren.


Warum er mich in sein Büro zitiert hatte, das weiß ich nicht mehr.

Dieses ansonsten handelsübliche Zimmer, mit dem einen Unterschied.

Das Schild über der Tür.

Nicht neben, über.

Da hing ein hübsch geschriebenes Stück Papier mit den Worten: Mount Michael.

Was soll ich sagen.

Er hieß halt Michael.

Und er war groß.

Richtig groß.

So ich duck mich unter der Tür groß.

Naja.

Ich weiß auch nicht mehr, was mich veranlasst hat, das zu sagen.

Wahrscheinlich ein nettes Geplänkel über das Chaos am Faxgerät.

Alles getilgt aus meiner Erinnerung.

Ich weiß aber noch, daß ich gesagt hab:

Ist ja wie bei Hempels unterm Sofa.

Dann war‘s erst mal still.

Unbequem still.

Was hat er denn still.

Und dann, als die Stille in jedem kleinen Winkel des Büros angekommen war.

Als er mich lang genug direkt genug angeschaut hatte.

Dann hab ich erfahren dürfen, daß die Frau des Chefs eine geborene Hempel ist.

Ja.


Kann ich doch nicht wissen.

Bin ja noch neu und überhaupt das Küken und noch nie beim Chef drin und alles.

Ich weiß seitdem auch wie sich das anfühlt.

Dieses ich möcht im Boden versinken.

Egal, wir haben dann beide gelacht.

Er aufrichtig heiter und alles gut, macht ja nix.

Ich mehr so gequält gefrostet.

Aber wir haben gelacht.


Wo will ich jetzt hin mit der ganzen Affäre?


Erstens.

Ich erinner mich gern an diese lang vergangene Zeit.

Würd ich heut alles nicht mehr machen.

Aber es war eine gute Zeit und er ein wirklich guter Chef und ich hab viel gelernt.

Und ich sag das nicht weil die Gefahr besteht, daß ihm das hier je unter die Augen kommt.


Zweitens.

Ich hab‘s damals schon mit der Ordnung gehabt.

Ganz eindeutig.

Daran wiederum kann ich mich noch gut erinnern.

Mein Schreibtisch war immer auffällig aufgeräumt und hübsch.


Drittens.

Manchmal sitzt was echt lang in den Zellen.

Dieses Gefühl damals.

Dieser Moment.

So ganz und gar extra peinlich.

Ich spür‘s heut wieder.

So ist es mit anderen Sachen auch.

Gefühlt größeren Sachen.

Und auch ganz winzig kleinen Sachen.

Die sich nur damals groß angefühlt haben.

Und die wir dann vergessen.

Weil sie ja so übel unangenehm waren.

Damals.

Klar.

Wir haben die alle.

Sie sind da.

Das ist normal.

Und wir tun gut dran, sie anzuschauen.

Frieden zu machen.

Sag ich.

Weil sich dann die Zellen entspannen können.

Die Zellen, die immer noch damit beschäftigt sind.

Seit dreißig Jahren.

Oder halt wie lang auch immer.

Du verstehst schon.

Weil damit was wie in Ordnung kommt.

Ganz unauffällig und unaufgeregt.

Ein Winkel des Universums aufgeräumt.

Ich mag‘s aufgeräumt.


Viertens.

Mir fällt auf ich kenn nicht einen einzigen Menschen, der Hempel heißt.

Du?


Und zuletzt.

Was mir vor dreißig Jahren passiert ist, das ist heut vielleicht Dein Glück.

Denn.

Irgendwie hab ich jetzt ganz amüsiert den Wunsch, das aufzuräumen für mich.

Versöhnung mit den Hempels.

Wenn Du also Hempel heißt oder mal geheißen hast, dann greif zu.

Du bekommst alles bei mir um 20 Prozent weniger.

Einzelstunde.

Programm.

Der ganze Tag.

Egal.

Nur für Hempels.

Und wenn Du wen kennst, sag‘s weiter, ja?

Ich will das jetzt machen.

Lass uns ‚wie bei Hempels unterm Sofa‘ ganz neu definieren.

Wie wär‘s?


Und trödel nicht rum.

Ich mach das jetzt so lang es mir gefällt.

Bin durchaus launisch mit so was.


Also, bitteschön.

Aufräumen.

Trau Dich.


Sabine

Meine Ausrichtung: Die Liebe.

Mein Weg: Die Wörter. Das Lachen. Die Ordnung.

Ich bin hier, um die Schönheit sichtbar zu machen.

KONTAKT

Sabine Weiskopf.

Eschenbach 404 . 91224 Pommelsbrunn

du@die-wueste-elfe.de

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